“Chronisch krank zu sein ist eine Beleidigung unserer durchgestylten Gesellschaft, der Stinkefinger des Schicksals gegen jene, die glauben, mit Fitness-Trackern im Handy und Personal Trainer an der Hand alles im Griff zu haben. Wir leben mit einer Zewa-Wisch&Weg Mentalität, in der für jede Eventualität ein Gegenmittel bereitsteht. Wir desinfizieren die Hände, als ob Seife allein nicht reichen würde. Wir kaufen Sterbeversicherungen, als wäre nicht wenigstens das sicher: dass wir alle sterben werden. Krankheit bedeutet Kontrollverlust, der Körper entzieht sich unserer Souveränität, wir sind machtlos. Wir können nur lernen anzunehmen, was wir nicht ändern können. Was jedoch in jeder Hinsicht unserem Entwurf vom selbstbestimmten Leben widerspricht. Wir nehmen doch nichts hin! Wir optimieren uns selbst. Jede Minute, in der du nichts lernst, erlebst, erfährst oder verbesserst, ist verschwendete Zeit. Krank zu sein bedeutet aber, das Leben neu auszurichten, Zufriedenheit in den kleinen Dingen zu finden. Anzuhalten. Auszuruhen. Auszusteigen.”
— Nach Lea Streisand
